Großkoalitionärer Geschichteunterricht

Man oder Frau möchte sich wundern, wenn er oder sie strunzbetrunken ummer halber 6e die Zweierlinie quert und den Justizpalast passiert, wie schön in unserer Wienerstadt die Historie mit der Gegenwart ineinandergreift, sodaß man oder frau das eine vom andern mitunter nicht mehr zu unterscheiden im Stande ist, weil das eine – die Vergangenheit, dem andern – der Gegenwart, angepaßt wird.
So geschehen unlängst dem Redaktionsteam von “Heisseluft – ihrem flottem Magazin – mit 16 seitigem Modeteil”. Der Chefredakteur war zu diesem Zeitpunkt zwar nicht mehr in der physischen Konstitution, die Tragweite der Bedeutung ihres “Fundes” zu erfassen, sein findiger und ergebener Untergebener, der “rasende Reporter” und Wurlitzer-Preisträger Hans Hurtig war aber auf Zack um das an sich unbewegliche Stück des Anstosses zu realisieren und zwar nicht auf Zelluloid, so doch auf Großhirnrinde, zumindest dem davon noch aktiven Teil, zu bannen.
Das letzte eingebrannte Bild des Justizpalastes war jenes.

welches er unwillkürlich mit jenem historischen Hintergrund assozierte.

Wie den Ausführungen des verlinkten Artikels zu entnehmen, hat UHBP persönlich seine kostbare Zeit, die er gewiss nicht gestohlen hat, dafür geopfert, einen alles zusammenfassenden und jegliche sentimentale Wort- und Faktklauberei aussparenden und damit auch alles abschließenden Text verfaßt, den er sogleich auch, wie es schon zur Zeit der Römer Usus war (welche in diesem Fall nur indirekt- im Sinne des Vorbildes- damit zu tun haben), gleich auf eine Mamorplatte gemeißelt hat:

“Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des Republikanischen Schutzbundes und der Frontkämpfervereinigung im burgenländischen Ort Schattendorf am 30. Jänner 1927 wurden zwei unschuldige Menschen getötet. Die Täter wurden freigesprochen. Im Zuge einer gewaltsamen Demonstration gegen dieses Urteil wurde der Justizpalast in Brand gesetzt. Die Polizei erhielt Schießbefehl, und 89 Personen kamen ums Leben. Die Ereignisse dieser Zeit, die schließlich im Bürgerkrieg des Jahres 1934 mündeten, sollen für alle Zeiten Mahnung sein.”

Nun könnte man oder frau über die an sich unwesentliche Frage des chronologischen Ablaufs vortrefflich streiten (Vgl. auch: http://www.zeit.de/2007/27/Portrait-Botz) oder sich einfach darüber wundern, dass es 80 Jahre gedauert hat, bis sich Vertreter der beiden mittlerweile wieder Großparteien auf einen Text mit dem scheinbar alle leben können geeinigt haben.
Nein, das liegt nicht etwa daran, dass die “Gräben”, die letzten, sagen wir 50 Jahre so unüberwindbar tief gewesen wären zwischen den “Lagern”. Also auf der Regierungsbank im Hohen Haus wurde bislang noch kein derartiges furchiges Gebilde erblickt. Das lag wohl vielmehr daran, dass es vor einigen Jahrzehnten noch GenossInnen gegeben hätte, vor denen sich ein Heinz Fischer Bspw. geniert hätte, eine solche Tafel zu enthüllen.
“Wenn ein Fußgänger von einem Auto umgemäht wird, dann sind schon irgendwie beide schuld, auch wenn es vielleicht irgendwie mit Absicht vom Autofahrer war. Der Fußgänger hätte ja nicht so deppert über die Straße gehen müssen. Jetzt merkt er sichs wenigstens” (”…sollen für alle Zeiten Mahnung sein”)

Aber zurück zu unserem “Fund”, der im übrigen so neu nicht ist.
Für jene, welche die Heraldik während ihrer Kindheit keine derart große Freude bereitet hat wie unserm etwas sonderlichen “Rasenden Reporter”, hier eine ausführliche Erklärung zum Thema “Mißbildungen bei Vögeltieren”.

Anm. des Verfassers:
Im übrigen ist der Graben zwischen der ausbeutenden/herrschenden Klasse und der arbeitenden nicht überwindbar.

 

Hans Hurtig

 

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2 Antworten zu “Großkoalitionärer Geschichteunterricht

  1. RICHTIGSTELLUNG:

    Ich war tatsächlich an dem Morgen vigilitätsmäßig nicht in der Lage, die Konversation mit meinem Kollegen auf einer für beide befriedigenden Basis zu führen. Es sei aber festgehalten, dass die Anliegen meiner Untergebenen bei mir immer auf ein offenes Ohr stoßen. Ich spreche hier nicht von etwaigen Gehaltserhöhigen (sollte jemand eine Gehaltserhöhung fordern, wird er/sie fristlos entlassen). Ich lasse meine Redakteure „gewähren“. Sind sie gut, dürfen sie sogar MICH kritisieren. Sind sie schlecht, haben sie hier nichts zu suchen – sprich Kündigung. Das ist auch eine Mahnung an dich, Hansi Hurtig!!!!!

    ERT, Chefredakteur

  2. UNTERWERFUNG:

    Selbstverständlich halte ich meinen geliebten Vorgesetzten sowohl unfehl- wie unkritisierbar, es galt lediglich dem geneigten Leser resp. Leserin zu verdeutlichen, unter welch schwierigen, mitunter ins Grenzbereiche des menschlich Leistbaren vorstoßende Unterfangen die Recherchearbeiten des Heissluft-Teams darstellen. Nachdem unser Chefrefdakteur eine mehrstündige Reportage über die Zustände in Wiener Spelunken hinter sich gebracht hat, ist es wohl nur allzu verständlich, wenn sich dieser auch einmal auf die Aufmerksamkeit seiner sonst ohnedies ob der Umtriebigkeit ihres Leistbildes unterbeschäftigten Untergebenen verlassen können muß. Inwieweit dies nur durch die stete Inspiration durch die schlichte Präsenz von Dr.Dr. Ert ermöglicht wird, läßt sich wohl kaum in Worte fassen, die diesem Umstand zur genüge Rechnung tragen.

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