Viel heiße Luft

Entries from August 2007

Wir, Opfer medialer Gewaltanwendung

August 12, 2007 · 4 Kommentare

“In der Privatsphäre haben Medien wirklich nichts verloren, schon gar nicht ist es rechtens schwülstige Texte und eigenartige Interpretationen zu erfinden und zu verbreiten”, zeigte sich der Anwalt von Frau René Hirschgruber (Name von Redaktion geändert) erzürnt.
Das sehen wir als integre Journalisten ebenso, wenngleich dies die Frage aufwirft, warum uns dann das unmittelbare Umfeld des Entführungsstars des Vorjahres dann in regelmäßigen Abständen mit schwülstige Texten versorgt.
In ihrem Buch “Verzweifelte Jahre – Mein Leben ohne René ” schildert Helga Lama (Name von Redaktion geändert), ihres Zeichens Mutter, die Entführung ihrer Tochter, die Zeit danach und das Wiedersehen.
“Die Präsentation des Buches stieß auf reges Medieninteresse. Auch René Hirschgruber war anwesend: Rund 15 Minuten nach Beginn betrat sie beinahe unbemerkt den Saal.” (ORF Wien, leicht abgeändert) Aber nur ebenso “beinahe” wie wir “selten” daran erinnert werden, dass nicht nur die Schweizer ihre Lust nach unschuldigen Verbrechensopfern befriedigen dürfen, sondern auch uns Österreichern diese Glück widerfahren durfte. Wofür wir uns nun gefälligst dankbar erweisen sollten und (selbstverständlich) nur die von den Anwälten der Familie autorisierten Merchandiseartikel in rauhen Mengen (z.B. auch für Weihnachtsgeschenke) erwerben sollten.

Leider wird aber mit der Leidensgeschichte der jungen Frau auch Schindluder getrieben. So gibt es zahlreiche Trittbrettfahrer, die im Windschatten des der offiziellen Erlebnisberichte ihrerseits Werke mit autobiografischen Tendenzen veröffentlichen.
“Ich war der Nachbar - mein Leben ohne René” heißt das jüngst erschienene Buch des 57 jährigen Hermann Wimpfnudler. Der Titel mag vielleicht irreführend sein, denn Wimpfnudler ist oder war weder Nachbar von René Hirschgruber noch hatte er jemals Kontakt zu ihr. “Deswegen heißt das Buch ja auch >mein Leben ohne René… Und Nachbar bin auch von jemand<!” rechtfertigt sich der frühpensionierte Eisenbahner. Andere, wie die 67 jährige Frau Gertrude Lemmingsreiter können vielleicht tatsächlich einen - wenn auch kleinen- Ausschnitt aus Renés Leben beleuchten: “Ich habe René Hirschgruber beim Billa gesehen (glaub ich)”(erschienen im strunzdum-Verlag) nennt sich der Titel der auch Programm ist.

Bleibt nur zu hoffen, dass uns weiterhin geistig abnorme Rechtsbrecher regelmäßig mit neuem Stoff für medial vermittelte Schauergeschichten versorgen, weil wir - uns selbst und unserer menschlichen Umwelt bis zur Unkenntlichkeit entfremdete Wesen- diese sonst selbst ausdenken müßten.

HH


Kategorien: Aktuelles

Mal was für’s Gemüt

August 9, 2007 · Keine Kommentare

Kategorien: Uncategorized

Großkoalitionärer Geschichteunterricht

August 3, 2007 · 2 Kommentare

Man oder Frau möchte sich wundern, wenn er oder sie strunzbetrunken ummer halber 6e die Zweierlinie quert und den Justizpalast passiert, wie schön in unserer Wienerstadt die Historie mit der Gegenwart ineinandergreift, sodaß man oder frau das eine vom andern mitunter nicht mehr zu unterscheiden im Stande ist, weil das eine - die Vergangenheit, dem andern - der Gegenwart, angepaßt wird.
So geschehen unlängst dem Redaktionsteam von “Heisseluft - ihrem flottem Magazin - mit 16 seitigem Modeteil”. Der Chefredakteur war zu diesem Zeitpunkt zwar nicht mehr in der physischen Konstitution, die Tragweite der Bedeutung ihres “Fundes” zu erfassen, sein findiger und ergebener Untergebener, der “rasende Reporter” und Wurlitzer-Preisträger Hans Hurtig war aber auf Zack um das an sich unbewegliche Stück des Anstosses zu realisieren und zwar nicht auf Zelluloid, so doch auf Großhirnrinde, zumindest dem davon noch aktiven Teil, zu bannen.
Das letzte eingebrannte Bild des Justizpalastes war jenes.

welches er unwillkürlich mit jenem historischen Hintergrund assozierte.

Wie den Ausführungen des verlinkten Artikels zu entnehmen, hat UHBP persönlich seine kostbare Zeit, die er gewiss nicht gestohlen hat, dafür geopfert, einen alles zusammenfassenden und jegliche sentimentale Wort- und Faktklauberei aussparenden und damit auch alles abschließenden Text verfaßt, den er sogleich auch, wie es schon zur Zeit der Römer Usus war (welche in diesem Fall nur indirekt- im Sinne des Vorbildes- damit zu tun haben), gleich auf eine Mamorplatte gemeißelt hat:

“Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des Republikanischen Schutzbundes und der Frontkämpfervereinigung im burgenländischen Ort Schattendorf am 30. Jänner 1927 wurden zwei unschuldige Menschen getötet. Die Täter wurden freigesprochen. Im Zuge einer gewaltsamen Demonstration gegen dieses Urteil wurde der Justizpalast in Brand gesetzt. Die Polizei erhielt Schießbefehl, und 89 Personen kamen ums Leben. Die Ereignisse dieser Zeit, die schließlich im Bürgerkrieg des Jahres 1934 mündeten, sollen für alle Zeiten Mahnung sein.”

Nun könnte man oder frau über die an sich unwesentliche Frage des chronologischen Ablaufs vortrefflich streiten (Vgl. auch: http://www.zeit.de/2007/27/Portrait-Botz) oder sich einfach darüber wundern, dass es 80 Jahre gedauert hat, bis sich Vertreter der beiden mittlerweile wieder Großparteien auf einen Text mit dem scheinbar alle leben können geeinigt haben.
Nein, das liegt nicht etwa daran, dass die “Gräben”, die letzten, sagen wir 50 Jahre so unüberwindbar tief gewesen wären zwischen den “Lagern”. Also auf der Regierungsbank im Hohen Haus wurde bislang noch kein derartiges furchiges Gebilde erblickt. Das lag wohl vielmehr daran, dass es vor einigen Jahrzehnten noch GenossInnen gegeben hätte, vor denen sich ein Heinz Fischer Bspw. geniert hätte, eine solche Tafel zu enthüllen.
“Wenn ein Fußgänger von einem Auto umgemäht wird, dann sind schon irgendwie beide schuld, auch wenn es vielleicht irgendwie mit Absicht vom Autofahrer war. Der Fußgänger hätte ja nicht so deppert über die Straße gehen müssen. Jetzt merkt er sichs wenigstens” (”…sollen für alle Zeiten Mahnung sein”)

Aber zurück zu unserem “Fund”, der im übrigen so neu nicht ist.
Für jene, welche die Heraldik während ihrer Kindheit keine derart große Freude bereitet hat wie unserm etwas sonderlichen “Rasenden Reporter”, hier eine ausführliche Erklärung zum Thema “Mißbildungen bei Vögeltieren”.

Anm. des Verfassers:
Im übrigen ist der Graben zwischen der ausbeutenden/herrschenden Klasse und der arbeitenden nicht überwindbar.

 

Hans Hurtig

 

Kategorien: Lokalaugenschein