Mit der Heiligsprechung des als Bruder Galvao bekannten Franziskanermönchs Antonio de Sant’Ana Galvao in Sao Paulo hat die erste Lateinamerika-Reise von Papst Benedikt XVI. am Freitag ihren extatischen Höhepunkt erreicht.
Rund eine Million Menschen wohnten dem von Benedikt XVI. unter freiem Himmel zelebrierten festlichen Gottesdienst- Zerimoniell bei. Bruder Galvao gehöre von nun an zu den Heiligen, sagte Benedikt im Park Campo de Marte. „Brasilien ist wunderschön und seit heute haben wir einen Heiligen“, zeigte sich eine Pilgerin über den ersten Heiligen aus Brasilien erfreut. Der Vatikan spricht Galvao mehrere Wunderheilungen zu. Der zwischen 1739 und 1822 lebende Franziskanermönch und Gründer mehrerer Klöster ist in Brasilien vor allem wegen der ihm zugeschriebenen Heilungen durch wundersame Gebetskapseln ein Begriff – winzige Gebetstexte, die, zu Röllchen geformt, von Kranken geschluckt werden und Genesung von zahlreichen Gebrechen bringen sollen. Bisher hat der Vatikan drei Wunder Galvaos anerkannt: Anfang des 19. Jahrhunderts sollen die von ihm verabreichten drei Mini-Gebete eine Frau von ihrem Nierenleiden geheilt haben. Auch zwei aktuellere Wunder gehen angeblich auf Galvao zurück. 1990 – nein, es ist nicht der Weltmeisterschaftstitel der Deutschen – also 1990
soll eine Vierjährige von einer für unheilbar erklärten Hepatitis genesen sein. 1999 überlebten eine Mutter und ihr Kind eine höchst riskante Geburt – auch hier hatte die werdende Mutter die Tabletten eingenommen. Der Vatikan stufte diesen Fall als „wissenschaftlich nicht zu erklären“ ein. Wissenschaftlich hingegen schon zu erklären ist, warum ausgerechnet jetzt ein Brasilianer heilig wurde: Von der Heiligsprechung in Brasilien erhofft sich die katholische Kirche neuen Schwung für ihre Gläubigen. Derzeit laufen der Kirche in Brasilien ihre Mitglieder scharenweise davon – Umfragen zufolge sind nur noch 64 Prozent der Bevölkerung katholisch, nach 90 Prozent im Jahr 1980. Der Rest glaubt meist lieber irgendwelchen Wunderheilern aus Fernsehshows, weil bei denen muß man nicht auf den Tod des eigenen unbedeutenden Lebens warten, ehe man erlöst wird.
In seiner Predigt rief der Papst zur Besinnung auf moralische Werte und Keuschheit auf. „Es ist nötig, sich gegen die Sparten der Medien zu wenden, die die Heiligkeit der Ehe und Jungfräulichkeit vor der Ehe lächerlich machen.“ Er meint allerdings nicht die nach wie vor verbreitete Geschichte von der unbefleckte Empfängis. „Nein Mama, nicht schreien, es war Gott!“
Dabei machte Benedikt unmissverständlich klar, dass das Gebot der sexuellen Enthaltsamkeit auch „für die Zeit der Verliebtheit und der Verlobung“ gelte. Er fügte hinzu: „Das eheliche Zusammensein (…) ist verheirateten Paaren vorbehalten.“ Swingerpartys mit den Nachbars-Ehepaar sind also erlaubt! Im Vorfeld hatten scharfe Äußerungen des Papstes zur Abtreibung für Wirbel gesorgt. „Die Kirche sollte für den Gebrauch von Kondomen eintreten. Sie sollte realistisch sein“, sagte der 21 Jahre alte Student Felipe Silveira. Felipe sei versichert: Der Vatikan ist sehr realistisch, das Geschäft läuft prima und es gibt i
mmer noch Millionen Menschen die ihr Sexualleben
nach den Worten von Alten Männern mit rosa und weißen Kleidern ausrichten welche angeblich nur mit Gott Sex haben. Zugleich forderte „Benedetto“ aber mehr Engagement für die Armen und Kranken, erteilte der politisch links orientierten Befreiungstheologie in Lateinamerika aber erneut eine Absage: „Die wahre Revolution, die entscheidende Veränderung der Welt kommt von Gott.“ Völlig richtig: Gott wird schon wissen warum er Kinder an Hunger sterben läßt. Dem Mensch steht es ja nicht zu an der gottgebenen Ordnung was zu ändern. Befreiungstheologie ist was für ewiggestrige Hippies oder Fans
des Rage against the Machine- Leadsängers, welcher in Südamerike äußerst populär zu sein scheint. Dessen sakrale Verehrung sowie die äußerliche Ähnlichkeit zu Gottes Sohn himself läßt durchaus vermuten, dass Gott schon öfter versucht hat, durch die Endsendung von Messiassen wieder ein bisschen was in Lot zu bringen – was allerdings regelmäßig fehlschlägt. Dass da sogar ein Gott mal in die Midlifecrisis kommt ist nur zu menschlich. Vielleicht entsendet er deshalb in letzter Zeit immer mehr Gotteskrieger mit Hightechwaffen und Bombengürteln und versucht auf den mächtigsten Mann der Welt einzuwirken in dem er ihn in dessen feuchten Träumen heimsucht, um der Welt mit Gewalt auf Gottes rechten Weg zurückzuführen. Vielleicht ist aber Gott auch der bärtige Sandler der unterm
Stadbahnbogen lebt. Das würde auch einiges erklären. Das würde aber auch bedeuten, dass Gott selber bald sterben wird, weil Armut krank macht und zu vorzeitigem Ableben führt. Bevor sich jetzt allerdings aufgebrachte Christenscharen auf diesen armen Mann stürzen um mit ihm ihre Religionsbewegung zu retten, sei gesagt, dass ich ebenso wenig wie Papst Benedikt weiß, ob es einen Gott gibt, ob dieser einen Bart hat oder ein Nebel im Kopf ist. Sicher ist allerdings, dass Essen satt macht.
Heiße Luft von Gernot Gottgefall