Ein Lokalaugenschein in Kärnten
Celovec: Der Landeshauptmann und Obmann der „Original fidelen Freiheitlichen Kärntens“ (nicht zu verwechseln mit den „Original echten Karantanischen
Freiheitlichen“) Dr. Grölaz ließ nach seiner Rückkehr von einem Geschäftsessen mit Muhamar Ahmadenijad im Iran mit einem neuen Vorschlag aufhorchen. Das Land jenseits von Gut und Böse soll einsprachig werden. Um welche Sprache es sich handeln soll, war bislang unklar, nun ist es amtlich: Kärnten wird Taitsch. Diese alte Sprache sei, so der Grölaz kein deutscher Dialekt, sondern eine eigenständige Sprache. Somit sei auch der Vorwurf der Deutschtümelei völlig absurd. Die Reaktion des Vorsitzendenden der Sozialaristokraten Rudolf Despotnik: „Eine alte Sprache und somit auch das damit verbundene Kulturgut zu fördern ist sicherlich begrüßenswert. Deutsch und Slowenisch (in K. gesprochene Minderheitensprachen) völlig aus Schule und dem öffentlichen Leben zu entfernen, wäre allerdings schon aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit ein fataler Fehler (Kärntner Kleine Krone, 6.6.2006)!“
Freistaat
Der Grölaz will aber noch weiter gehen. Ziel ist die völlige Eigenständigkeit der Region. Fundament der neuen Taitschen Nation sollen nicht „österreichische Rechtsnormen“, sondern d
ie „Gesetzsammlung regionaler Eigenheiten“ (Standardwerk laut dem die Verfassung sich „brausen kann, wenn die Mehrheit von einem Oberösterreicher angeführt wird (Wien, 1938)“) und die „Kaiserliche Bulle über die Ortnung der teutschen Lehen in den Grentzmarken (Augsburg, 1244)“ sein. Hierzu gäbe es noch diese Woche ein Hearing mit anschließendem Briefing und schon gegen Ende des Jahres ein Independence-Event mit internationalen Topstars, so der Grölaz. Und weiter: „der Geist des carinthischen dolce vita soll die Herzen weit über die Region hinaus erfreuen. Das ist unsere Key Kompetenz“.
Gegen diese Pläne richtet sich H.C. Strolchi. Sein Lösungsvorschlag für die ständigen Konflikte in der Region ist die Aussiedelung „volksfremder und volksschädigender Elemente bei gleichzeitiger Expansion zum Zwecke der Schaffung eines Zugangs zum Meer“. Unterstützung für diese Pläne erhält der Parteichef der „Freien Freiheitlichen Partei für Freiheit in Österreich“ von unerwarteter Seite. Dies sei der einzig vernünftige Vorschlag und es gebe bereits konkrete Gespräche mit Herrn Strolchi, bestätigte der Obmann des Alzheimerbundes (und ehemaliger Busenfreund des Grölaz) Revi Sionistnik.
Die „Stange“ hält dem Grölaz weiterhin der Obmann des Kärntner Heimatschwundes Arthur Atavistnig. Dieser meinte anlässlich einer Pressekonferenz in Pressdorf an der Fuck: „Die Region abzuspalten und ein eigenständiges Territorium zu schaffen ist seit jeher eine unserer Hauptforderungen. Unkenrufe von Ewiggestrigen, die eine Arschisierung fordern, wollen wir hier nicht kommentieren. Unsere Pläne hingegen sind zeitgemäß und im Sinne des europäischen Gedankens. Wir wollen die Taitsche Mehrheitsbevölkerung stärken, indem wir beispielsweise die Donauschwalben (vormals Vojvodina Spatzen) und die Unterkrainer Karstkarantanen ins Reich heimholen!“
Bedenken von Seiten der Regierung und der Minderheiten
Mit großer Sorge werden die jüngsten Entwicklungen im südlichsten aller südlichen Bundesländer von der Bundesregierung verfolgt. Am Rande der Einweihungsfeier des
Heldendenkmales der Umtata-Ustaschen (ein vom Grölaz unterstützter kroatischer Gesangs- und Brauchtumsverein) in der Nähe von Dravograd äußerte sich jedoch der Bundeskanzler Gusi beschwichtigend: „Das muss von Fall zu Fall zu Fall entschieden werden, jedenfalls gibt es einen konstruktiven Dialog und eine Einigung im Sinne der Volksgesundheit zeichnet sich ab!“
Besorgt sind auch die Vertreter der slowenischen Volksgruppe. Allerdings lies Matje Stummnik verkünden: „Es geht uns gut… Zumindest leben wir noch!“ Was zu klären wäre, so Stummnik, sei der mysteriöse Tod des Juristen Juri Smrtnig. Smrtnig starb im Juli dieses Jahres den Erfrierungstod in der Drau/Drava. Stummnik vermutet einen Zusammenhang mit dem traditionellen Krumpendorfer Kriegstanz, der einige Tage zuvor stattfand. Aristo Assnig, Komantschenhäuptling und Organisator des Kriegstanzes zu den Vorwürfen: „Diese kryptokommunistischen Andriffe von Seiten nationalslowenischer Laibacher Kreise in Wien und Brüssel sind völlig aus der Luft gegriffen; der Krumpendorfer Kriegstanz ist eine reine Folklore-veranstaltung. Das Kriegsbeil haben die Komantschen seit nunmehr
über sechzig Jahren begraben!“ Die Komantschen (auch Krumpendorfer Komantschen) sind die jüngste, gleichzeitig aber auch eine der angesehensten Volksgruppen im Land. Sie ließen sich seit den Fünfziger Jahren im Wörtherseeraum nieder und brachten es durch eine staatliche Casinolizenz und die touristische Nutzung der Berge und Seen zu einem beachtlichen Reichtum.
Die Bevölkerung verhält sich eher teilnahmslos. „De do oben mochn e wos se wollen!“ äußert sich etwa Bertram Pozewounig, Streckengeher im Ruhestand aus Diex unserem Reporter gegenüber. Gemeint sind wohl archaische illyrische oder keltische Götter, die in den wolkenverhangenen Karawankengipfeln hausen sollen.
Internationale und ökonomische Bedenken
Die Schattenseiten werden ob der jüngsten Entwicklung allerdings selten erwähnt. Das größte Problem ist sicherlich, dass das Land bankrott ist. Beobachter sprechen davon, dass es in naher Zukunft zu einer Zwangsversteigerung Kärntens kommen könnte. Rettung naht ausgerechnet aus Frankreich, welches eine Sperrminorität inne hat und seine illyrischen Provinzen nicht kampflos den teutonischen Tiradenschwingern überlassen will.
Der unermüdliche Kämpfer für Ordnung und gute Sitten in Sittersdorf/Zitara Vas, Rechtsanwalt Dr.
Slavnik wiederum will von Übernahmeplänen des transnationalen Konzerns „You-go-slavija“ wissen. „Dies wäre wohl für alle die beste Lösung. Schließlich verfügt der Konzern über jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit unterschiedlichen Volksgruppen!“, zeigt sich Dr. Slavnik optimistisch. Wir berichten weiter.